Buena Vista Schtärneföifi
- discotaxi5
- vor 3 Tagen
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Gerne erinnere ich mich an den Jahreswechsel vor 30 Jahren, den ich mit Schtärneföifi in Havanna verbrachte. Nach dem Erfolg von “Heicho - Ohni Znacht is Bett” auf der Ohrewürm-Compilation 1995 beschlossen wir als frisch gegründete Band, ein ganzes Album aufzunehmen. Die Plattenfirma Tudor unterstützte die Idee, einige Stücke in Kuba einzuspielen und schoss schon mal 4000 Dollar in bar vor.

Also wagte ich den ersten Langstreckenflug meines Lebens und reiste mit Sibylle Aeberli, Thomas Haldimann, Jean Zuber und Gerda Treml im Dezember 1995 nach Havanna.

Nach ein paar Tagen des Staunens in den Strassen von Centro Habana und einem Badeausflug an die Playa del Este ging die Arbeit los. Als lokaler Guide war Adrian Fiechter mit dabei. Er hatte bis vor kurzem für einige Jahre auf Kuba gelebt und in verschiedenen Bands gespielt. Es stellte sich heraus, dass er - nicht zuletzt dank Klavierstunden bei einem Rentner namens Rubén González - ein ganz brauchbarer Keyboarder war. So spielte er auch gleich auf allen Aufnahmen mit und wurde zum festen Bandmitglied.

Im staatlichen Studio EGREM (Empresa de Grabaciones y Ediciones Musicales) herrschte der polnische Tonmeister Jerzy Belc, der einst in Kuba hängengeblieben war und als einer der renommiertesten Produzenten lateinamerikanischer Musik galt. In Havanna nannte man ihn “Jurek”, einfacher auszusprechen als Jerzy. Er überwachte unsere ersten Versuche an den Instrumenten und übergab die Verantwortung dann gern an seine Assistentin Xenia, nachdem er gemerkt hatte, dass es nicht um besonders anspruchsvolle Kompositionen ging. Schtärneföifi nahmen zügig die geplanten Stücke auf, brauchten aber in einer rhythmisch leicht verunglückten Nummer die Hilfe eines jungen Perkussionisten, der nachträglich eine Conga darüber spielte, um das schwankende Tempo zu kaschieren. Schon nach wenigen Sessions war im Januar 1996 alles im Kasten.

Wir kauften die teuren Ampex-Bänder und nahmen sie mit in die Schweiz. Professionelles Tonmaterial war rar damals in Kuba, deshalb wurden solche Bänder immer mehrfach gebraucht. Es stellte sich heraus, dass auf den Spulen auch noch Teile eines Albums von Adalberto Álvarez Y Su Son mit drauf waren. Im Egrem Studio nahm einige Monate später ein gewisser Ry Cooder das Album “Buenavista Social Club” auf, das weltweit Beachtung fand und Adrians Klavierlehrer eine unverhoffte späte Weltkarriere bescherte. Eine solche machte kurz darauf auch Schtärneföifis Aushilfs-Perkussionist Pedrito. Ausgewandert nach New York spielte er als Studiomusiker mit allen Grössen der Musikszene und gründete seine Pedrito Martínez Group.

Unser Album verkaufte sich über die Jahre auch ganz ordentlich, und weil eines der Stücke “Mir isch schlächt” hiess, machten wir dazu dieses wirklich schöne Method-Acting-Bandfoto.




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